Kolumne: Nintendo zeigt wie resistent wir gegen Neuerungen sind

Nintendo hat nun, inzwischen vor geraumer Zeit, die neue Switch-Konsole offiziell und recht ausführlich vorgestellt.
So wurden Launch-Titel gezeigt, die Controller-Erweiterungen, die Akku-Laufzeit der Hybrid-Konsole und noch einige weitere Dinge.

Das Medienecho war recht stark, doch gab es neben der durchaus positiven Berichterstattung, seitens der Presse, auch durchaus sehr viele kritische und spöttische Stimmen.
Schaut man sich auf Reddit, NeoGAF und diversen anderen Seiten um, wird man immer wieder mit der These konfrontiert, dass so ein Gerät niemand bräuchte, sowie dass das gesamte Konzept ja nur scheitern könne und auch der baldige Bankrott Nintendos wird gern voraus gesagt.

Und weshalb?

Das eine gute und zunächst gar nicht so einfach zu beantwortende Frage.
Vergegenwärtigt man sich Nintendos Attitüde gelangt man schnell zu dem Punkt, dass es dem Unternehmen eher darum geht sich vom restlichen Konsolenmarkt abzuheben und eigenständig zu sein. Irgendwie unabhängig.
Hiervon ausgehend wollen wir doch einmal das Konzept der Wii betrachten:
Bewegungssteuerung als starker Fokus und Familientauglichkeit (gerade in Werbespots).
Auch diese Konzept stieß nicht gerade auf viel Gegenliebe.
Gerade seitens der Spiele-Presse wurde Nintendos Wii gerne belächelt und als “albern” bezeichnet, immerhin brauche ein “Core”-Gamer solch eine Konsole ja gar nicht.

Führt man sich den Erfolg der Wii vor Augen bedarf es der Verkennung des Konzeptes keine weiteren Worte mehr.
Vielleicht eines  noch: Wii Spots ist das erfolgreichste Videospiel, das jemals das Licht der Welt erblickt hat.

Ein originelles Konzept, welches verkannt und letzten Endes allen Apokalypse-Prophezeiungen zum Trotz, ein großer Erfolg wurde.

Mit dem Nachfolger setzte Nintendo nicht auf ein solches Konzept, sondern orientierte sich eher an einer klassischen Version der Heimkonsole.
Die Wii U orientierte sich deutlich an den Produkten von Microsoft und Sony.

Und scheiterte.

Mit dem Hybrid-Konzept der Switch zeigt Nintendo nun wieder deutlich wo sie sich positionieren.
Und zwar nicht als Konkurrenz zur PlayStation oder Xbox, sondern eher als ein anderes und alternatives Spielmodell.
Ähnlich wie zu Wii-Zeiten bestreitet der Konzern wieder eigene Wege und sagt sich von den Modellen der Konkurrenz los.

Und genau das ist der Grund, warum viele der sogenannten “Core”-Gamer Nintendo wieder einmal den Untergang prophezeien.

Denn 1. ist die Konsole nicht für diese Zielgruppe bestimmt

und

2. ist das Konzept viel zu innovativ für den angestaubten Konsolenmarkt.

Die Spieler sind daran gewöhnt in regelmäßigen Abständen ein neues Modell ihrer Konsole zu kaufen, die einzig und allein auf stark verbesserte Hardware im Vergleich zum Vorgänger-Modell setzt.
Nintendo tut eben dies nicht (mehr), sondern erprobt neue Konzepte, die die traditionelleweise des Spielens sinnvoll erweitern und bereichern kann.
Und die Vergangenheit zeigt uns immer wieder, dass ein Großteil der Menschheit nicht gerade in der Lage ist Innovation mit Gegenliebe zu begegnen, sondern eher mit Abneigung.

Interessanterweise sind “Core”-Gamer aber ebenfalls dafür bekannt sich über Stagnation in der Gaming-Branche zu beschweren.

Und ausgerechnet aus dem Hause Electronic Arts stammen folgende Worte:

“What I like about Nintendo is that they come to the table with a slightly different approach. […] They’ve done that in the past to great success, and sometimes not so much, but I think unless you’re willing to think about something unconventional, it’s going to be hard to break ground.”

Ich weiß nicht wie es dem Rest der Spieler da draußen geht, aber ich für meinen Teil bin nicht an Stagnation und endlosen Sequels interessiert.
Wir können uns glücklich schätzen, dass es in der Gaming-Branche noch Unternehmen wie Nintendo gibt.
Und der große Geldhaufen, den Nintendo sein Eigen nennen darf, zeigt ebenfalls, dass Bedarf für solche Unternehmen besteht.

Für die Switch bleibt zu hoffen, dass das Konzept aufgeht und eine erneute Bereicherung für die Spielerschaft da draußen darstellt.
Falls nicht, wird vielleicht die nächste Nintendo-Konsole der erhoffte Kassenschlager oder die danach, oder die danach.
Wenn es sich ein Unternehmen leisten kann, dann Nintendo.

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Raphael

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